Netzhautablösung
Auf einen Blick
Abhebung der neurosensorischen Netzhaut vom Pigmentepithel. Rhegmatogenen, traktiven oder exsudativen Mechanismus und Makulastatus bestimmen. Akuter Verdacht benötigt noch am selben Tag retinologische Beurteilung.
CAVE
- Guter zentraler Visus schließt eine Makula-an-Ablösung nicht aus.
- Beginn und Verlauf erfragen.
Klinik
- Blitze, Floater, peripherer Vorhang oder Gesichtsfelddefekt; bei Makulabeteiligung sinkt der zentrale Visus.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Rhegmatogen: durchgreifender Defekt mit subretinaler Flüssigkeit | Risse, Ausdehnung und Makulastatus erfassen; sofort Vitreoretinaldienst kontaktieren | Macula-on bedroht Zentralvisus; Macula-off bleibt dringlich, besonders bei frischem zentralem Verlust |
| Traktiv: kontrahierende Membranen heben die Netzhaut ab | Diabetische/proliferative Erkrankung, Makulagefährdung und zusätzliche Risse prüfen | Kombiniert traktiv-rhegmatogene Ablösung benötigt eigene Operationsplanung |
| Exsudativ: Flüssigkeit ohne ursächlichen Riss oder Traktion | Entzündung, Gefäßerkrankung oder Tumor abklären; Ursache behandeln | Nicht jede seröse Ablösung mit rissgerichteter Operation behandeln |
Diagnostik
- Visus, RAPD, Gesichtsfeldsymptome, Beginn des Zentralverlusts, Linsenstatus, Operation/Trauma und Partnerauge erfassen. Beidseits dilatieren; Risslage, Ausdehnung, PVR und Makulastatus dokumentieren. OCT bei unklarer Foveabeteiligung, Ultraschall bei Einblickmangel.
- Befunde direkt an das Netzhautteam übermitteln, einschließlich Einäugigkeit und Untersuchungsgrenzen. Zusatzbildgebung darf Überweisung nicht verzögern.
Differenzialdiagnose
- Retinoschisis, exsudative oder traktive Ablösung, Aderhautabhebung und Glaskörpertrübungen.
Therapie
- Operationszeit direkt mit Vitreoretinalchirurgie abstimmen. Makulastatus bestimmt Priorität, erlaubt aber keine routinemäßig verzögerte Überweisung bei Macula-off. Plombe, Vitrektomie oder pneumatische Retinopexie nach Rissen, Linse, Ausdehnung und Lagerungsfähigkeit wählen.
- Vor Verlegung Lagerung/Nüchternheit mit aufnehmendem Team abstimmen; bei Sehbeeinträchtigung nicht fahren. Traktive/exsudative Formen ursachenbezogen behandeln statt Einheitsoperation.
Kontrollen
- Nach Operation Netzhautanlage, IOD und Komplikationen prüfen.
- Bei intraokulärem Gas Lagerung konkret erläutern; bis zur vollständigen Resorption keine Flugreisen und kein Lachgas. Die Freigabe erfolgt durch das Operationsteam.
Risikofaktoren & Kontext
- Myopie, Netzhautrisse, Trauma, intraokuläre Voroperationen und Ablösung am Partnerauge beeinflussen das Risiko.
- Wenn möglich beide Augen untersuchen.
Komplikationen
- Proliferative Vitreoretinopathie und erneute Ablösung können weitere Eingriffe erfordern.
- Die Visuserholung hängt unter anderem von Makulabeteiligung und deren Dauer ab.
Wann überweisen
- Noch am selben Tag retinal vorstellen.
- Keine Verzögerung durch nicht erforderliche Untersuchungen.
Quellen 3
- AAO · Posterior Vitreous Detachment, Retinal Breaks, and Lattice Degeneration Preferred Practice Pattern ↗2025 · Initial evaluation; management; follow-up
- Royal College of Ophthalmologists · Intraocular gas and nitrous oxide safety alert ↗2018 · Intraocular gas precautions
- ASRS · Retinal Detachment ↗Patient education factsheet · accessed 20 September 2026 · Rhegmatogenous, tractional and exudative mechanisms
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