Retinaler Venenverschluss
Auf einen Blick
Venöser Verschluss verursacht Netzhautblutung und Ödem. Venenast- von Zentralvenenverschluss unterscheiden; Ischämierisiko erfassen.
CAVE
- Auf afferenten Pupillendefekt, Iris-/Winkelneovaskularisation und erhöhten IOD achten.
Klinik
- Meist schmerzlose einseitige Visusminderung mit sektoralen oder ausgedehnten Blutungen und erweiterten Venen.
Diagnostik
- Zentral-, Hemi- oder Astverschluss einordnen; Visus, RAPD, IOD, Iris/Winkel, Blutungsverteilung und Neovaskularisation erfassen. OCT für Ödem, Angiografie für Nichtperfusion bei ausreichender Sicht. Deutliches RAPD/schlechter Visus stützen Ischämie, sind aber nicht alleinige Kriterien.
- Blutdruck, Glukose/Diabetes und Gefäßrisiko prüfen; Blutbild/weitere Tests mit Hausarzt abstimmen. Thrombophilie-/Autoimmundiagnostik selektiv bei atypischen, jungen, bilateralen oder sonst verdächtigen Fällen, nicht routinemäßig bei isoliertem Verschluss.
Differenzialdiagnose
- Diabetische Retinopathie, okuläres Ischämiesyndrom, Hyperviskosität und arterielle Netzhauterkrankung.
Therapie
- Makulaödem und Neovaskularisationsrisiko getrennt behandeln. Indizierte Therapie zeitnah; schlechter Ausgangsvisus schließt bei reversiblem Ödem Therapieversuch nicht automatisch aus.
- Keine systemische Antikoagulation/Thrombozytenhemmung allein für den Augenverschluss ohne andere Indikation. Systemisch indizierte Medikamente mit behandelndem Arzt weiterführen.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Makulaödem mit Visusminderung | Anti-VEGF oder ausgewähltes Dexamethasonimplantat; Linse, Glaukomrisiko und Terminlast berücksichtigen | OCT und Visus für Wirkung; Therapie beseitigt Neovaskularisationsrisiko nicht |
| Ischämischer ZVV | Iris und Winkel einschließlich Gonioskopie prüfen; eigene Überwachung planen | RCOphth: bei relevanter Ischämie erste 6 Monate monatlich, danach etwa 3-monatlich für ein weiteres Jahr |
| Neue Iris-/Winkelneovaskularisation | Dringend Anti-VEGF ergänzend und zeitnahe panretinale Laserkoagulation; IOD behandeln | Nicht schmerzhaftes NVG abwarten; Anti-VEGF ersetzt keine dauerhafte Netzhautablation |
| Venenastverschluss mit Papillen-/Netzhautneovaskularisation | Sektorale Laserkoagulation der ischämischen Netzhaut | Keine routinemäßige prophylaktische PRP bei jedem Venenverschluss ohne Neovaskularisation |
Kontrollen
- Bei jeder Kontrolle Visus/OCT und Vorderabschnitt prüfen; trockene Makula beendet Ischämieüberwachung nicht. Anti-VEGF kann Neovaskularisation vorübergehend unterdrücken. Nach Absetzen bei ischämischem ZVV empfiehlt RCOphth engmaschig, meist alle 1–2 Monate im ersten Jahr, verlaufsabhängig.
Risikofaktoren & Kontext
- Hypertonie, Gefäßrisiken und Glaukom erfassen.
- Atypische oder beidseitige Befunde gezielt abklären; kein pauschales Thrombophiliescreening.
Komplikationen
- Makulaödem, Netzhautischämie, Glaskörperblutung und Neovaskularisationsglaukom.
- Anti-VEGF beseitigt das Neovaskularisationsrisiko nicht.
Wann überweisen
- Bei Schmerz, Irisneovaskularisation oder Druckanstieg dringend kontrollieren.
Quellen 1
- Royal College of Ophthalmologists · Retinal vein occlusion guideline: executive summary ↗2022 · Macular oedema; ischaemic CRVO; iris/angle neovascularisation; follow-up after anti-VEGF cessation
Britische Leitlinien: Überweisungswege und Erstattungskriterien können regional abweichen.