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Klinische Leitfäden / Netzhaut & Glaskörper

Diabetische Retinopathie

Aktualisiert

Auf einen Blick

Diabetische retinale Mikroangiopathie. Retinopathiestadium und Makulaödem getrennt beurteilen.

CAVE

  • Papillen-, Netzhaut- und Irisneovaskularisation, Glaskörperblutung und Traktion suchen.
  • In Schwangerschaft Kontrollen anpassen.

Klinik

  • Frühstadien oft symptomlos.
  • Blutungen, Mikroaneurysmen, Venenveränderungen und Neovaskularisation charakterisieren den Befund.
Jedes Auge einstufen [1][2]
BefundVorgehenZeitpunkt / Detail
Milde NPDRNur MikroaneurysmenMakulaödem in jedem Stadium separat beurteilen
Mäßige NPDRMehr als Mikroaneurysmen, ohne schwere KriterienNICE bei unbehandelter Erkrankung: meist alle 6–12 Monate
Schwere NPDR: ein 4-2-1-Kriterium, keine PDR>20 intraretinale Blutungen in jedem von 4 Quadranten, deutliche Venenkaliberschwankungen in ≥2 oder ausgeprägte IRMA in ≥1 QuadrantMindestens zwei Kriterien: sehr schwere NPDR; NICE unbehandelt schwer/sehr schwer: 3–6 Monate
PDRPapillen-/retinale Neovaskularisation und/oder präretinale/Glaskörperblutung durch proliferative ErkrankungZeitnahe Therapieplanung; Symptome, Traktion und Hochrisikobefunde erhöhen Dringlichkeit

Diagnostik

  • Diabetestyp/-dauer, HbA1c-Verlauf, Blutdruck, Nierenkrankheit, Schwangerschaft und frühere Retinatherapie erfassen. Jedes Auge in Mydriasis mit geeigneter Bildgebung stufen; OCT bei Ödemverdacht oder ungeklärtem Visusverlust.
  • Intraretinale IRMA von über die innere Grenzmembran hinauswachsenden Neovaskularisationen unterscheiden; Angiografie/OCT-A kann klären. Makulaödem separat klassifizieren. Bei verdeckender Blutung Ultraschall zum Ausschluss traktiver/rhegmatogener Ablösung.

Differenzialdiagnose

  • Retinaler Venenverschluss, hypertensive Retinopathie, okuläre Ischämie und andere vaskuläre Retinopathien.

Therapie

  • Glukose-, Blutdruck- und Nierenbehandlung koordinieren. Bei ausgeprägter Retinopathie und geplanter rascher HbA1c-Senkung Diabetesteam für engere Netzhautkontrolle informieren.
  • Bei PDR zeitnahe PRP und Anti-VEGF nach Ödem, Traktion, Zugang und langfristiger Kontrollfähigkeit besprechen. PRP wirkt dauerhaft, Anti-VEGF benötigt fortgesetzte Überwachung/Nachbehandlung. Kontrollverlust nach reiner Injektionstherapie ist riskant. Makulabedrohende Traktion oder nicht aufklarende Glaskörperblutung vitreoretinal abklären.

Kontrollen

  • Die folgenden Stadienintervalle gelten nur für die bezeichnete unbehandelte Population. Aktive PDR, Makulatherapie oder postoperative Erkrankung benötigen eigene Termine. Bei Progression, Schwangerschaft, rascher Stoffwechseländerung oder unzuverlässiger Teilnahme verkürzen. Neue Floater, Vorhang oder akuter Verlust dringend statt erst beim Screening.

Risikofaktoren & Kontext

  • Diabetesdauer, Stoffwechsellage, Blutdruck, Nephropathie und Schwangerschaft beeinflussen die Kontrollen.
  • Größere Therapieänderungen mit dem Diabetesteam abstimmen.

Komplikationen

  • Makulaödem, Glaskörperblutung, traktive Netzhautablösung und Neovaskularisationsglaukom sind wichtige visusbedrohende Komplikationen.

Wann überweisen

  • Bei Proliferation, Glaskörperblutung, Traktion oder relevantem Makulaödem zeitnahe Netzhautvorstellung.
Quellen 2
  1. AAO · Diabetic Retinopathy Preferred Practice Pattern2025 · Diagnosis; management; follow-up
  2. NICE · Diabetic retinopathy: management and monitoringNG242 · 13 August 2024 · 1.3 Non-proliferative retinopathy; 1.4 Proliferative retinopathy; monitoring

An Patienten, lokale Versorgungspfade und zugelassene Fachinformationen anpassen.