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Klinische Leitfäden / Netzhaut & Glaskörper

Neovaskuläre AMD

Aktualisiert

Auf einen Blick

Neue makuläre Neovaskularisation kann raschen zentralen Visusverlust verursachen. Neue Verzerrungen zeitnah untersuchen.

CAVE

  • Nicht auf deutlichen Visusverlust warten.
  • Bei neuen Symptomen trotz trockenem OCT Blutung und andere Ursachen ausschließen.

Klinik

  • Metamorphopsien, zentrale Unschärfe oder Skotom, Makulablutung sowie intra- oder subretinale Flüssigkeit.

Diagnostik

  • Beschwerden, Dauer, bestkorrigierten Visus und Fundus beidseits erfassen. Makula-OCT mit Voraufnahmen auf Flüssigkeit, Pigmentepithelabhebung, subretinales Material, Atrophie und Fibrose vergleichen.
  • Fluoreszenzangiografie bei nicht ausgeschlossener Neovaskularisation oder unklarer Diagnose; ICG bei PCV-Verdacht. OCT-Angiografie kann Gefäße zeigen, ein Netzwerk allein beweist aber keine exsudative Aktivität.

Differenzialdiagnose

  • Zentrale seröse Chorioretinopathie, myope oder entzündliche makuläre Neovaskularisation und nicht-neovaskuläre AMD.
  • Bei atypischem Phänotyp oder Ansprechen polypoidale choroidale Vaskulopathie bedenken.

Therapie

  • Passendes zugelassenes Anti-VEGF-Schema wählen; Off-label-Anwendung ausdrücklich dokumentieren. Aufsättigung, Terminlast und Erhaltung trotz subjektiv stabilem Sehen erklären. Kein einheitliches Verlängerungsschema für alle Präparate.
  • Vor Wechsel bei vermeintlichem Versagen ausreichende Dosierung bestätigen und irreversible Strukturverluste/andere Diagnose ausschließen. Pausieren nur mit dokumentierter Inaktivität oder fehlendem Nutzen und klarem Wiedervorstellungsplan.
Aktivität und Behandlungsintervall [1][2]
BefundVorgehenZeitpunkt / Detail
Neue vermutete aktive nAMDDringende Makulazuweisung, OCT, bei Unsicherheit Angiografie; indizierte Anti-VEGF-Therapie zeitnah beginnenNICE: Überweisung normalerweise innerhalb 1 Arbeitstags; indizierter Therapiebeginn möglichst rasch, innerhalb 14 Tagen ab Überweisung
Neue/zunehmende intra- oder subretinale Flüssigkeit, Blutung oder krankheitsbedingter VisusverlustAktivität behandeln und Intervall gegenüber dem Rezidivintervall verkürzenDegenerative Zysten und stabile nichtexsudative Räume von aktiver Leckage unterscheiden
Stabiler Visus und kontrollierte Exsudation unter Treat-and-ExtendIn kleinen protokollgerechten Schritten verlängern; bei echtem Treat-and-Extend die geplante Injektion gebenAufsättigung sowie Mindest-/Maximalintervalle sind präparatespezifisch; Verlängern heißt nicht entlassen
Persistierende Flüssigkeit oder Visusverlust trotz ausreichender TherapieAdhärenz, Intervall, Segmentierung und Differenzialdiagnosen prüfen; PCV, Fibrose/Atrophie oder andere Makulopathie vor Wechsel erwägenGroße frische submakuläre Blutung dringend hinsichtlich Verlagerung/chirurgischer Optionen besprechen

Kontrollen

  • Bei jedem Therapietermin Visus, Symptome, OCT-Aktivität und neue Blutung dokumentieren; Partnerauge mitbeurteilen. Monokulare Selbstkontrolle und raschen Zugang bei neuen Symptomen erklären. Nach Injektion zunehmender Schmerz, Rötung oder Visusabfall: dringend Endophthalmitis/Entzündung abklären, nicht nächsten Termin abwarten.

Risikofaktoren & Kontext

  • Alter, Rauchen, Familienanamnese und AMD am Partnerauge beeinflussen das Risiko.
  • Für die Dringlichkeit sind aktuelle Symptome entscheidend.

Komplikationen

  • Submakuläre Blutung, Fibrose und Atrophie können trotz kontrollierter Exsudation die Erholung begrenzen.
  • Injektionsbedingte Infektion ist ein Notfall.

Wann überweisen

  • Neue Verzerrungen oder Makulablutung dringlich abklären; Schmerzen mit Visusabfall nach Injektion notfallmäßig untersuchen.
Quellen 2
  1. AAO · Age-Related Macular Degeneration Preferred Practice Pattern2025 · Diagnosis; management; patient education
  2. NICE · Age-related macular degenerationNG82 · 23 January 2018 · 1.4 Referral; 1.5 Diagnosis; 1.7 Management

Britische Leitlinien: Überweisungswege und Erstattungskriterien können regional abweichen.