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Klinische Leitfäden / Glaukom

Okuläre Hypertension

Aktualisiert

Auf einen Blick

Erhöhter IOD ohne nachgewiesenen Glaukomschaden. Vor Therapieentscheidung das Lebenszeitrisiko abschätzen.

CAVE

  • Winkelverschluss, Steroidresponse und sekundäre Drucksteigerung ausschließen.
  • Ein normales OCT allein schließt Glaukom nicht aus.

Klinik

  • Meist Zufallsbefund.
  • Messung bei klinischer Vertretbarkeit an einem weiteren Termin bestätigen.

Diagnostik

  • IOD bei sicherer Vertretbarkeit an getrennten Terminen mit Goldmann-Applanation bestätigen. Gonioskopie, Pachymetrie, stereoskopische Papille, OCT und zuverlässige Standardperimetrie erfassen. Steroide, Pseudoexfoliation, Pigmentdispersion und Familienanamnese dokumentieren.
  • OHTS/EGPS verwendet Alter, IOD, zentrale Hornhautdicke, vertikale Exkavation und Pattern Standard Deviation. Der Rechner schätzt 5-Jahres-Konversion in seiner validierten Population, nicht lebenslange Behinderung, und ersetzt keine Abklärung sekundärer Ursachen.

Differenzialdiagnose

  • Frühes Glaukom, Messartefakt, dicke Hornhaut und sekundäres Glaukom.

Therapie

  • Bei niedrigem Lebenszeitrisiko und verlässlichen Kontrollen beobachten. Bei höherem Risiko, verdächtiger Papille, wiederholt höherem IOD oder langer Lebenserwartung eher senken; Therapielast besprechen.
  • Keine vermeintlich wahre Druckkorrektur aus Pachymetrietabellen. Dicke Hornhaut macht hohen IOD nicht automatisch harmlos. Zieldruck und Grund für Beobachtung oder Therapie dokumentieren.

Kontrollen

  • IOD erneut messen und Papille/Gesichtsfeld nach Ausgangsqualität und Veränderungsverdacht beurteilen. Neuer reproduzierbarer Struktur- oder Funktionsschaden ändert Diagnose und Behandlung zum Glaukom. Die Tabelle trennt Beobachtung von NICE-Intervallen behandelter OHT.
Risiko und Kontrolle [1][3]
BefundVorgehenZeitpunkt / Detail
Kein Schaden, geringes LebenszeitrisikoBeobachtung mit dokumentiertem Ausgangsbefund und festem KontrollplanFrüher bei Druckanstieg, unzuverlässigen Tests oder Papillenänderung
NICE: IOD ≥24 mmHg und Lebenszeitrisiko einer Sehbeeinträchtigung360°-SLT bei Eignung; Prostaglandinanalogon bei Ablehnung, Nichteignung oder unzureichender Wirkung24 mmHg ist eine britische Therapieschwelle, keine universelle Glaukomdefinition
Behandelte OHT: IOD unkontrolliertTherapie prüfen und erneut beurteilenNICE: 1–4 Monate; bei starkem Anstieg oder Beschwerden früher
Behandelte OHT: IOD kontrolliertUnklare Konversion: früher; keine Konversion: längeres IntervallNICE: 6–12 Monate bei Unsicherheit, 18–24 ohne Konversion; nicht pauschal auf Unbehandelte übertragen

Risikofaktoren & Kontext

  • Druck zusammen mit Hornhautdicke, Alter, Familienanamnese und Sehnerv beurteilen.
  • Eine einzelne Druckmessung bestimmt das Risiko nicht.

Komplikationen

  • Übergang zum Glaukom.
  • Auch unnötige Therapie verursacht Nebenwirkungen, Kosten und dauerhaften Anwendungsaufwand.

Wann überweisen

  • Neue Papillen- oder Gesichtsfeldveränderungen als möglichen Glaukomschaden bewerten; deutliche Drucksteigerung zeitnah abklären.
Quellen 3
  1. NICE · Glaucoma: diagnosis and managementNG81 · updated 26 January 2022 · 1.2 Diagnosis; 1.4 Treatment; 1.5 Reassessment
  2. European Glaucoma Society · Terminology and Guidelines for Glaucoma6th edition · 2025 · Clinical examination; classification; treatment principles
  3. OHTS / EGPS · Risk calculator and limitationsOnline model · accessed 20 September 2026 · Required measurements; validated ranges; cautions

Britische Leitlinien: Überweisungswege und Erstattungskriterien können regional abweichen.