Primärer Winkelverschluss
Auf einen Blick
Ein verschlossener Kammerwinkel kann akuten Druckanstieg oder chronischen Schaden verursachen. Symptomatischer akuter Winkelverschluss ist ein Notfall.
CAVE
- Nicht als Migräne oder Magen-Darm-Erkrankung abtun.
- Beidseitigen medikamenteninduzierten Winkelverschluss bedenken.
Klinik
- Schmerzhaftes rotes Auge, Visusminderung, Halos, Kopfschmerz, Übelkeit, Hornhautödem und träge Pupille.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| PACS: ≥180° iridotrabekulärer Kontakt in der Gonioskopie, normaler IOD, keine PAS oder Neuropathie | Anatomie und Zusatzrisiken vor prophylaktischer LPI bewerten | Nicht jeder enge Winkel benötigt Therapie |
| PAC: ≥180° Kontakt mit erhöhtem IOD und/oder PAS, ohne Glaukomneuropathie | Mechanismus und Druck behandeln | PAS = periphere anteriore Synechien |
| PACG: Winkelverschluss mit Glaukomschaden | Winkelblock beseitigen und langfristigen Zieldruck festlegen | LPI allein kontrolliert das Glaukom nicht immer |
Diagnostik
- Visus und IOD beidseits erfassen; Pupille, Hornhautödem, Vorderkammertiefe und Linse prüfen. Gonioskopie sobald möglich, Partnerwinkel mitbeurteilen.
- Nach Mydriatika, Anticholinergika, Topiramat und früheren Anfällen fragen. Beidseitige Abflachung mit akuter Myopisierung spricht für ziliochoroidale Effusion statt primärem Pupillarblock.
Differenzialdiagnose
- Anteriore Uveitis, Keratitis, Neovaskularisationsglaukom sowie linsen- oder medikamentenbedingter Winkelverschluss.
Therapie
- Mechanismus und Druck behandeln. Bei Bedarf Analgesie, Antiemese und topische Entzündungshemmung.
- Nach dem Anfall Restverschluss, PAS, Linsenanteil und Sehnervschaden dokumentieren. Bei unzureichender LPI Linsenextraktion oder weitere Glaukomtherapie erwägen. Das phake Partnerauge mit okkludierbarem Winkel nach primärem Pupillarblock benötigt zeitnahe Prophylaxebeurteilung.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Schmerzhafter akuter Winkelverschluss mit hohem IOD | Sofort augenärztlich behandeln: topische Kammerwasserhemmer und gegebenenfalls Acetazolamid 500 mg einmalig i.v. | Nierenfunktion, Elektrolyte, Kontraindikationen und schwere Sulfonamidreaktionen prüfen; Versorgung nicht verzögern |
| Topische Drucksenkung | Timolol 0.5% und Apraclonidin 1% sind Optionen im zitierten NHS-Protokoll | Timolol bei Asthma, relevanter Bradykardie oder AV-Block vermeiden; Interaktionen der Alpha-Agonisten prüfen |
| Pupillarblock | Pilocarpin 2% nach beginnender Drucksenkung und Erholung der Irisperfusion erwägen; LPI sobald möglich | Dieses Vorgehen gilt nicht bei Topiramat-bedingter Effusion oder linsenbedingter Vorverlagerung |
| Unzureichende Wirkung | IOD und Hornhaut nach etwa 1 Stunde kontrollieren; oberärztlich hyperosmotische Therapie oder Intervention prüfen | Mannitol erfordert Herz-, Nieren- und Volumenbeurteilung; Therapie nicht schematisch wiederholen |
Kontrollen
- Akut überwachen, bis Druck und Beschwerden ansprechen. Nach LPI IOD, Durchgängigkeit und Entzündung prüfen; Gonioskopie nach Abklingen wiederholen. Bei Schaden oder anhaltendem Hochdruck strukturelle und funktionelle Glaukomkontrollen fortsetzen.
Risikofaktoren & Kontext
- Flache Vorderkammer und enger vorderer Augenabschnitt erhöhen das Risiko.
- Pupillarblock, Linsenfaktoren und andere Mechanismen unterscheiden.
Komplikationen
- Sehnervschaden, periphere vordere Synechien und anhaltende Druckerhöhung können nach dem Anfall bestehen bleiben.
Wann überweisen
- Akuten Anfall sofort augenärztlich behandeln.
- Keine Verzögerung durch Routinebildgebung.
Quellen 2
- European Glaucoma Society · Terminology and Guidelines for Glaucoma ↗6th edition · 2025 · Clinical examination; classification; treatment principles
- NHS GGC · Acute Angle Closure (adult protocol) ↗Reviewed 27 October 2022 · Initial pressure reduction; contraindications; one-hour reassessment
Europäische Leitlinien. Verfügbarkeit und Zulassung von Arzneimitteln lokal prüfen.