Keratokonus
Auf einen Blick
Progressive Hornhautektasie verursacht Verdünnung und irregulären Astigmatismus. Progression reproduzierbar dokumentieren.
CAVE
- Plötzlicher Schmerz oder Trübung kann akuten Hydrops anzeigen.
- Junges Alter und Augenreiben erhöhen die Progressionssorge.
Klinik
- Zunehmender Astigmatismus, reduzierte Brillenvisusschärfe, Schattenbilder und asymmetrische Hornhautform.
Diagnostik
- Refraktion, bestkorrigierten Visus, Spaltlampe und Tomografie mit Vorder-/Hinterflächenhöhe und Dickenverteilung. Dünnste Stelle, Krümmung und Hinterfläche am gleichen Gerät mit verlässlicher Aufnahme vergleichen.
- Inkonsistente Scans wiederholen und Kontaktlinsen-Warpage vor Progressionsdiagnose bedenken. Übereinstimmende Änderungen oberhalb Messrauschens in mehreren Parametern nutzen; einzelner Kmax-Unterschied reicht nicht immer. Reiben, Atopie, Familie, Alter und korrigierten Visus erfassen.
Differenzialdiagnose
- Pelluzide marginale Degeneration, Kontaktlinsenverformung, postoperative Ektasie und andere Irregularitäten.
Therapie
- Augenreiben stoppen, Allergie behandeln; Progressionsstopp und optische Rehabilitation trennen. Crosslinking ersetzt Linsen nicht, besserer Linsenvisus beseitigt die Indikation nicht.
- Epi-off oder andere Protokolle nach Evidenz/Sicherheitsanforderungen der Technik wählen, besonders intraoperativer Mindeststromadicke. Ringsegmente können bei Auswahl die Form verbessern, ersetzen aber Stabilisierung nicht universell.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Stabile Ektasie mit gutem Brillenvisus | Brille, Allergiekontrolle und Augenreiben vermeiden | Stabilität seriell bestätigen, besonders bei Jüngeren |
| Irregulärer Astigmatismus mit begrenztem Brillenvisus | Formstabile korneale oder Sklerallinsen; Komfort, Hornhaut und Handhabung prüfen | Besserer Linsenvisus beweist keinen Progressionsstopp |
| Dokumentierte Progression oder junger Hochrisikopatient | Zeitnah Hornhautsprechstunde für Crosslinking; protokollspezifische Dicke/Eignung prüfen | Primär Stabilisierung, keine garantierte Brillenfreiheit |
| Akuter Hydrops oder Narbe mit schlechtem korrigiertem Visus | Hydrops dringend korneologisch; Oberfläche schützen, Schmerz/IOD behandeln, ausgewählte Interventionen prüfen | Bei fortgeschrittener Narbe/Intoleranz DALK oder perforierende Keratoplastik nach Tiefe/Endothel |
Kontrollen
- Junge Patienten, neue Refraktionsänderung oder Progressionsverdacht häufig nach 3–6 Monaten tomografieren; stabile Erwachsene oft nach 6–12 Monaten. Bei möglicher rascher Progression kürzer. Nach Crosslinking technikspezifisch Heilung/Infektion kontrollieren, danach vergleichbare serielle Tomografie.
Risikofaktoren & Kontext
- Augenreiben, Atopie und Familienanamnese erfragen.
- Guter korrigierter Visus beweist keine Stabilität der Ektasie.
Komplikationen
- Zunehmender irregulärer Astigmatismus, Kontaktlinsenunverträglichkeit, Narben und akuter Hydrops können die Sehrehabilitation beeinträchtigen.
Wann überweisen
- Bei Progressionsverdacht, unzureichender optischer Rehabilitation oder akutem Hydrops überweisen.
Quellen 2
- AAO · Corneal Ectasia Preferred Practice Pattern ↗2024 · Diagnosis; progression; cross-linking; visual rehabilitation
- Belin et al. · Determining Progression in Ectatic Corneal Disease ↗2020 · Measurement noise; multidimensional progression assessment
An Patienten, lokale Versorgungspfade und zugelassene Fachinformationen anpassen.