IOL-Auswahl & Aufklärung
Auf einen Blick
Zuerst Sehaufgaben und Akzeptanz optischer Kompromisse klären, dann die Linsenstrategie wählen.
CAVE
- Makula- oder Sehnervschäden, irregulärer Astigmatismus und instabile Oberfläche können den Nutzen presbyopiekorrigierender Optiken begrenzen.
Klinik
- Nach Nachtfahrten, Leseabstand, Bildschirmarbeit und Brillenakzeptanz fragen.
Diagnostik
- Prioritäten erfragen: Nachtfahren, Lesedistanz, Bildschirm und Brillenakzeptanz. Stabile Keratometrie und optische Biometrie; bei Oberflächenstörung oder Achsendifferenz wiederholen.
- Topografie/Tomografie bei irregulärem Astigmatismus, Ektasieverdacht oder torischer/presbyopiekorrigierender Planung. Makula und Sehnerv, gegebenenfalls OCT prüfen. Nach LASIK/PRK/RK geeignete Postrefraktiv-Formeln und geringere Vorhersagbarkeit besprechen; diskrepante Messungen nicht ohne Ursachenklärung mitteln.
Differenzialdiagnose
- Vor torischer IOL kornealen von lentikulärem und regulären von irregulärem Astigmatismus unterscheiden.
Therapie
- Fokusstrategie und Astigmatismuskorrektur getrennt wählen. Monovision nach Aufklärung über Anisometropie, Stereosehen und Sehaufgaben; erfolgreiche Kontaktlinsenmonovision hilft bei der Auswahl.
- Regulärer Hornhautastigmatismus um 1 D oder mehr kann Anlass zur torischen Beratung sein; Hinterfläche, Inzision und Reproduzierbarkeit zählen, nicht ein einzelner anteriorer Wert. Ziel für jedes Auge und möglichen Restfehler erklären.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Monofokal | Eine Fokusdistanz und optische Qualität priorisieren; Brille für andere Distanzen besprechen | Sinnvoll bei Makula-/Sehnervkrankheit oder geringer Dysphotopsietoleranz |
| Enhanced monofokal / EDOF | Tatsächlichen Intermediärbereich und wahrscheinliche Lesebrille besprechen | Designs unterscheiden sich; keine gleiche Leistung oder Halofreiheit für die ganze Gruppe versprechen |
| Multifokal / trifokal | Bei geeigneten Augen größere Brillenunabhängigkeit über mehrere Distanzen | Halos, Blendung und Kontrastkompromiss erklären; Makula, Sehnerv, Hornhautregularität und Nachtfahren prüfen |
| Torische Korrektur: eigenständige Entscheidung | Bei geeignetem regulärem Hornhautastigmatismus torische Variante des gewählten Designs einsetzen | Gesamtastigmatismus, Hinterfläche und chirurgisch induzierten Anteil berücksichtigen; Achsenübereinstimmung bestätigen |
Kontrollen
- Bei Unzufriedenheit Refraktion, Oberfläche, gegebenenfalls Makula-OCT, Zentrierung und torische Achse prüfen, bevor Neuroadaptation angenommen wird. Reversible Ursachen zuerst behandeln. Enhancement, Rotation oder Austausch ursachenbezogen besprechen; keine vorschnelle Nd:YAG-Kapsulotomie, wenn Austausch realistisch bleibt.
Risikofaktoren & Kontext
- Frühere refraktive Hornhautchirurgie und instabiler Tränenfilm können die Vorhersagegenauigkeit vermindern.
- Widersprüchliche Messungen vor Linsenwahl klären.
Komplikationen
- Restametropie, Blendung, Halos und Kontrastverlust können weitere Abklärung erfordern.
- Ein Linsenaustausch hat eigene Operationsrisiken.
Wann überweisen
- Komplexe Augen nach refraktiver Chirurgie, ausgeprägte Irregularität oder IOL-Austauschentscheidungen erfahrenen Operateuren vorstellen.
Quellen 1
- ESCRS · Recommendations for Cataract Surgery ↗2024 recommendations · online executive summary · 4.1 Patient selection; 4.2 Preoperative assessment; IOL selection; postoperative care
Europäische Leitlinien. Verfügbarkeit und Zulassung von Arzneimitteln lokal prüfen.