Trockenes Auge
Auf einen Blick
Gestörte Tränenfilmhomöostase verursacht Beschwerden und Oberflächenstörungen. Zeichen und Symptome können auseinandergehen.
CAVE
- Starke einseitige Schmerzen, Photophobie, fokales Infiltrat oder Visusabfall anders abklären.
- Systemische Trockenheit erfragen.
Klinik
- Brennen, schwankender Visus, Fremdkörpergefühl und Beschwerden bei längerer Naharbeit.
Diagnostik
- Mit Beschwerden und Funktionsbeeinträchtigung beginnen, gegebenenfalls einheitlichen Fragebogen nutzen. Lidschlag/-schluss, Lidkanten, Meibum und Tränenmeniskus prüfen. Tränenstabilität möglichst nichtinvasiv vor Tropfen, danach Hornhaut-/Bindehautfärbung. Osmolarität/Schirmer ergänzen, wenn konkrete Frage.
- Befunde gemeinsam werten: Instabilität, Hyperosmolarität und Oberflächenschaden stützen Homöostasestörung, kein Einzeltest beschreibt alle Phänotypen. Allergie, Exposition, Toxizität und neuropathischen Schmerz suchen. Ausgeprägtes wässriges Defizit mit Mundtrockenheit/Systemzeichen auf Sjögren abklären.
Differenzialdiagnose
- Allergie, Exposition, Blepharitis, Toxizität, neuropathischer Schmerz und infektiöse Keratitis.
Therapie
- Dominanten Mechanismus erklären und umsetzbares Tagesprogramm vereinbaren. Luftzug, bildschirmbedingtes unvollständiges Blinzeln und auslösende Medikamente soweit möglich ändern; bei häufiger Gabe/Toxizität konservierte Tropfen vermeiden.
- Phänotypbezogen behandeln statt alle Maßnahmen bei allen. Entzündung/Lider vor alleiniger Tränenretention kontrollieren. Persistierende Epitheldefekte, Filamente oder Exposition benötigen intensiveren Hornhautplan.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Evaporativ / MGD | Lidwärme/-hygiene, Blinzeln/Umgebung und lipidhaltige Tränenersatzmittel; Rosazea/Blepharitis mitbehandeln | Drüsenexpression und Tränenstabilität dokumentieren; Geräte sind ausgewählte Optionen, keine Pflicht-Ersttherapie |
| Wässriges Defizit | Konservierungsmittelfreier Tränenersatz; Tränendrüse, Medikamente und Sjögren prüfen | Tränenerhalt nach Entzündungsbeurteilung; schwere Formen gegebenenfalls Serum oder Sklerallinsen |
| Persistierende entzündliche Oberfläche | Kurzen kontrollierten Steroidkurs oder längerfristige Immunmodulation mit zugelassenem Präparat erwägen | Infektion ausschließen; IOD unter Steroid prüfen; Ciclosporin wirkt nicht sofort |
| Starker Schmerz bei wenig Befund oder starker Befund bei wenig Schmerz | Neuropathischen Schmerz beziehungsweise Hypästhesie/neurotrophe Erkrankung prüfen | Nicht unbegrenzt Tränenersatz steigern ohne Diagnoserevision |
Kontrollen
- Wirkungskontrolle bei unkompliziertem Verlauf häufig nach 4–8 Wochen mit gleichem Symptominstrument und Oberflächenbefunden. Früher bei Steroidkontrolle, Epitheldefekt, Schmerz oder Visusabfall. Bei Persistenz Anwendung, Adhärenz, Exposition und Diagnose prüfen statt nur weiteren Tränenersatz ergänzen.
Risikofaktoren & Kontext
- Meibomdrüsendysfunktion, verminderte Tränensekretion, Exposition, Medikamente und Kontaktlinsen berücksichtigen.
- Häufig bestehen mehrere Ursachen.
Komplikationen
- Anhaltender Epithelschaden und schwankender Visus.
- Schwere Oberflächenerkrankung kann Kontaktlinsenverträglichkeit und präoperative Messungen beeinträchtigen.
Wann überweisen
- Bei Epitheldefekt, Autoimmunverdacht oder unverhältnismäßigem Schmerz weiterführend abklären.
Quellen 2
- TFOS DEWS III · Diagnostic Methodology ↗2025 · Diagnosis; differential diagnosis; subclassification
- TFOS DEWS III · Management and Therapy / official report summaries ↗2025 · Management and Therapy report
An Patienten, lokale Versorgungspfade und zugelassene Fachinformationen anpassen.