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Klinische Leitfäden / Orbita

Endokrine Orbitopathie

Aktualisiert

Auf einen Blick

Autoimmune Orbitopathie. Aktivität und Schweregrad getrennt beurteilen; visusbedrohende Erkrankung dringend behandeln.

CAVE

  • Farbsehstörung, afferenter Pupillendefekt, Visusabfall oder Hornhautschaden können Sehbedrohung anzeigen.

Klinik

  • Lidretraktion, Proptosis, Reizung, orbitale Beschwerden und restriktive Doppelbilder.

Diagnostik

  • Visus, Farben, RAPD, bei Bedarf Gesichtsfeld, Proptosis, Lidspalte/-schluss, Exposition, Motilität und Diplopie messen; seriell gleiche Methode. Orbitabildgebung bei Atypie/Asymmetrie, Apexkompressionsverdacht oder Operationsplanung.
  • Initialer 7-Punkte-CAS: je ein Punkt für spontanen retrobulbären Schmerz, Blickschmerz, Lidrötung, Bindehautrötung, Lidschwellung, Karunkel-/Plicaschwellung und Chemosis; ≥3/7 spricht für Aktivität. Schwere separat nach Funktion, Diplopie, Proptosis, Exposition und Optikusbeeinträchtigung.

Differenzialdiagnose

  • Orbitale Entzündung, Tumor, Gefäßerkrankung, Myasthenie und andere Ursachen restriktiven Strabismus.

Therapie

  • Endokrinologie/Augenheilkunde koordinieren, Rauchstopp und Euthyreose. Therapie nach Aktivität, Schwere und Prioritäten, nicht CAS allein. Glukokortikoid-basierte Schemata, andere Immunmodulation oder Teprotumumab spezialisiert besprechen; Zugang/Sicherheitsprofil berücksichtigen.
  • DON-Verdacht ist auch ohne starke Proptosis ein Notfall. Farbenverlust, RAPD oder neuer Gesichtsfeldausfall noch am selben Tag eskalieren. Exposition mit Epitheldefekt sofort schützen, gegebenenfalls operativ.
Aktivität und Schwere trennen [1][2]
BefundVorgehenZeitpunkt / Detail
Milde Erkrankung ohne SehbedrohungTränenersatz, Expositionsschutz, Rauchstopp und stabile Schilddrüsenlage; Selen ausgewählt bei SelenmangelversorgungFunktion/Progression überwachen; Aktivität definiert nicht die Schwere
Aktive mittelschwere/schwere Erkrankung mit AlltagsbeeinträchtigungInterdisziplinäre Schilddrüsen-Augen-Sprechstunde für Immunmodulation; i.v.-Glukokortikoid-basierte Therapie bleibt etabliertLeber-, Herz-Kreislauf-, Infektions-, Glukose- und psychiatrische Risiken vor Therapie prüfen
Dysthyreote Optikusneuropathie oder HornhautzerfallNoch am selben Tag spezialisiert: i.v.-Glukokortikoide bei DON, dringende Dekompression bei unzureichender Wirkung; Hornhaut schützen/behandelnNicht hohen CAS, starke Proptosis oder regulären Schilddrüsentermin abwarten
Teprotumumab bei Erwachsenen mit mittelschwerer/schwerer TEDEU-Zulassung seit 19. Juni 2025; Auswahl mit Hör-, Glukose- und Darmentzündungsbeurteilung8 i.v.-Infusionen alle 3 Wochen; in Schwangerschaft kontraindiziert. Zulassung bedeutet nicht lokale Erstattung
Inaktive stabile RestbefundeRehabilitation bei Bedarf: Dekompression, dann Schieloperation, dann LidoperationStabilität bestätigen; Prismen können ausgewählte Diplopie überbrücken

Kontrollen

  • Aktive/veränderliche Erkrankung innerhalb von Wochen mit Visus, Farben, Hornhaut und Motilität; stabile milde Formen seltener. Unter Systemtherapie präparate-/schemaspezifische Labor- und Sicherheitskontrollen. Unter Teprotumumab Gehör vor, während und nach Therapie sowie Glukose prüfen; neue Hör-/Darmbeschwerden zeitnah abklären.

Risikofaktoren & Kontext

  • Rauchen und instabile Schilddrüsenfunktion erhöhen das Verschlechterungsrisiko.
  • Aktivität getrennt vom Proptosisgrad beurteilen.

Komplikationen

  • Kompressive Optikusneuropathie, Expositionskeratopathie und bleibende Diplopie.
  • Sehbedrohende Kompression kann auch ohne ausgeprägte Proptosis vorliegen.

Wann überweisen

  • Bei Verdacht auf dysthyreote Optikusneuropathie oder schwere Exposition sofort spezialärztlich behandeln.
Quellen 2
  1. EUGOGO · Clinical practice guidelines for Graves’ orbitopathy2021 · Table 1; activity and severity; sight-threatening disease
  2. EMA · Tepezza (teprotumumab)EU authorisation 19 June 2025 · product information updated 25 March 2026 · Indication; infusion schedule; hearing, glucose, bowel and pregnancy precautions

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