Uveitis anterior
Auf einen Blick
Anteriore Uveitis wird klinisch durch Vorderkammerzellen erfasst; infektiöse oder systemische Ursachen prüfen.
CAVE
- Hornhautinfektion und Endophthalmitis ausschließen.
- Einseitige Rezidive mit erhöhtem IOD können viral bedingt sein.
Klinik
- Schmerz, Photophobie, ziliare Injektion und Visusminderung; ggf.
- Präzipitate und Synechien.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Spalt 1 × 1 mm | 0: <1 Zelle; 0.5+: 1–5; 1+: 6–15; 2+: 16–25; 3+: 26–50; 4+: >50 | Tyndall separat dokumentieren; vergleichbare Beleuchtung bei Kontrollen |
Diagnostik
- Visus, IOD, Zellen/Tyndall, Präzipitate, Synechien und Linse dokumentieren; Glaskörper und Fundus in Mydriasis untersuchen. OCT bei ungeklärter Visusminderung oder Makulaödemverdacht.
- Ein-/Beidseitigkeit, granulomatöse/nichtgranulomatöse und akute/rezidivierende/chronische Form erfassen. Diagnostik nach Phänotyp: HLA-B27 bei typischen akuten Rezidiven; Syphilis, TB oder Sarkoidose nach Klinik, Exposition und Epidemiologie. Einseitige hypertensive Uveitis mit Irisatrophie viral abklären, gegebenenfalls Kammerwasser-PCR. Keine ungezielte Laborbatterie.
Differenzialdiagnose
- Keratitis, Winkelverschluss, Skleritis, postoperative Infektion und Masquerade-Syndrome.
Therapie
- Gesicherte nichtinfektiöse Entzündung und Ziliarspasmus wie unten behandeln. Bei Infektionsverdacht spezialisierte Abklärung und erregerspezifische Therapie; Steroidmonotherapie kann verschlechtern. Rezidivierende, bilaterale, posteriore oder steroidabhängige Formen benötigen einen Uveitisplan.
| Befund | Vorgehen | Zeitpunkt / Detail |
|---|---|---|
| Gesicherte nichtinfektiöse Uveitis anterior | Prednisolonacetat 1% oder Dexamethason 0.1% topisch; bei ausgeprägter Entzündung gegebenenfalls stündlich tagsüber | Zuerst epitheliale Herpeskeratitis und mikrobielle Keratitis ausschließen; Suspensionen schütteln |
| Ziliarspasmus oder Gefahr hinterer Synechien | Cyclopentolat 1%, bei Erwachsenen meist 2–3-mal täglich; nach Entzündung und Pupillenreaktion anpassen | Winkelblockrisiko, anticholinerge Kontraindikationen und Fahrtüchtigkeit beachten |
| Zellzahl deutlich rückläufig, keine neue Komplikation | Steroid nach Spaltlampenbefund schrittweise reduzieren, nicht allein nach Beschwerden | Rezidiv: Ursache und Anwendung prüfen, wirksame Stufe wieder aufnehmen; intensive Therapie nicht abrupt beenden |
Kontrollen
- Bei starker Entzündung, Hypopyon, erhöhtem IOD oder unklarer Diagnose innerhalb von 24–48 Stunden kontrollieren. Unkomplizierten, bessernden Verlauf meist innerhalb 1 Woche prüfen; Reduktion erst nach Zell- und Druckkontrolle. Steroidresponse, Katarakt und Makulaödem überwachen. Bei fehlender Besserung Infektion, Anwendung und hintere Beteiligung neu prüfen.
Risikofaktoren & Kontext
- Frühere Episoden, entzündliche Rücken- oder Gelenkbeschwerden, Haut- und Darmerkrankungen, Infektion, Trauma und Operation erfragen.
- Keine ungezielten Laborprofile.
Komplikationen
- Hintere Synechien, okuläre Hypertension oder Glaukom, Katarakt und zystoides Makulaödem.
- Unter Steroiden den Druck kontrollieren.
Wann überweisen
- Bei Hypopyon, starkem Visusverlust, posteriorer Beteiligung oder Infektionsverdacht dringend eskalieren.
Quellen 3
- NHS Greater Glasgow and Clyde · Uveitis Management (021) ↗Version 6 · April 2026 · Assessment; treatment; investigation; review
- College of Optometrists · Uveitis (anterior) ↗Version 8 · March 2025 · Recognition; differential diagnosis; management
- SUN Working Group · Standardization of uveitis nomenclature ↗2005 · Anterior chamber cell grading, 1 × 1 mm slit beam
Britische Leitlinien: Überweisungswege und Erstattungskriterien können regional abweichen.