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Klinische Leitfäden / Kinderophthalmologie

Amblyopie

Aktualisiert

Auf einen Blick

Verminderter bestkorrigierter Visus durch gestörte Sehentwicklung nach Ausschluss organischer Ursachen. Früherkennung verbessert die Behandlungschance.

CAVE

  • Leukokorie, auffälliger Rotreflex, pupillenverdeckende Ptosis oder ungeklärter afferenter Defekt erfordern andere Abklärung.

Klinik

  • Visusunterschied, Strabismus, deutliche Anisometropie oder beidseitig hohe Fehlsichtigkeit.

Diagnostik

  • Monokularen Visus mit altersgerechten Reihenoptotypen und gleicher Testung messen; Partnerauge vollständig abdecken. Zykloplegische Refraktion, Stellung/Motilität, wenn möglich Stereosehen und Untersuchung in Mydriasis.
  • Strabische, anisometrope, bilaterale refraktive oder Deprivationsursache bestimmen. Ungeklärtes RAPD, Fundusbefund, Progression oder mangelnde Wirkung trotz korrekter Therapie organisch neu abklären. Fixationspräferenz ersetzt messbaren Visus bei kooperativem Kind nicht.

Differenzialdiagnose

  • Netzhaut- oder Sehnervkrankheit, Medientrübung und unzuverlässige Visusmessung.

Therapie

  • Refraktion korrigieren und relevante Deprivation rasch beseitigen; kongenitale Katarakt/Achsenverlegung nicht nur okkludieren. Optische Besserung unter Verlaufskontrolle zulassen.
  • Bei Indikation alters-/schweregerechte Okklusion oder Atropin ergänzen. Pflasterhautpflege und Atropinsicherheit inklusive sicherer Aufbewahrung und Hilfe bei systemischen anticholinergen Symptomen erklären. Auch ältere Kinder können profitieren; keine Ablehnung allein wegen Altersgrenze.
Nach geeigneter optischer Korrektur [1][2]
BefundVorgehenZeitpunkt / Detail
Refraktive Amblyopie unter Brille besserVollzeitkorrektur fortsetzen und Verlauf vor Zusatztherapie dokumentierenBesserung kann mehrere Monate anhalten; notwendige Deprivationstherapie nicht verzögern
Mäßige Amblyopie, etwa 20/40–20/80 in der untersuchten jungen KindergruppeHäufig 2 Stunden/Tag Okklusion des besseren Auges oder alternativ Atropin 1% an 2 Tagen/WocheNach Alter, Familie, Kontraindikationen und Kontrolle wählen; Atropin ist nicht nur letzte Option
Schwere Amblyopie oder Plateau trotz zuverlässiger 2-Stunden-OkklusionRefraktion, Adhärenz und Diagnose prüfen; gegebenenfalls 6 Stunden/Tag unter kinderophthalmologischer KontrolleAltersgruppenergebnisse nicht als universelle starre Dosis übertragen
Stabile Besserung und ReduktionHöhere Okklusionsdosis ausschleichen, Brille fortsetzen, Rezidiv überwachenVisus beidseits; inverse Amblyopie oder Atropinnebenwirkung neu bewerten

Kontrollen

  • Visus beidseits, gegebenenfalls Refraktion, Adhärenz und Stellung häufig nach 6–12 Wochen; bei jüngeren Kindern/intensiver Therapie früher. Beim Plateau tatsächliche Okklusionszeit und Korrektur vor Intensivierung prüfen. Nach Ende Rezidivkontrollen, besonders im ersten Jahr.

Risikofaktoren & Kontext

  • Strabismus, Anisometropie, hohe beidseitige Fehlsichtigkeit oder Deprivation erkennen.
  • Die Ursache bestimmt Dringlichkeit und Therapie.

Komplikationen

  • Bleibende Visusminderung und gestörtes Binokularsehen.
  • Übermäßige Penalisation kann den Partneraugenvisus mindern; nach Therapieende sind Rezidive möglich.

Wann überweisen

  • Bei Deprivation, Leukokorie oder Organverdacht dringlich kinderophthalmologisch vorstellen.
Quellen 2
  1. AAO · Amblyopia Preferred Practice Pattern2023 · published online December 2022 · Diagnosis; refractive correction; occlusion; follow-up
  2. NEI / PEDIG · Increasing patching for persistent amblyopia2013 · randomised trial · Persistent amblyopia after 2-hour patching; 6-hour regimen

An Patienten, lokale Versorgungspfade und zugelassene Fachinformationen anpassen.